wie oft stellst du dir eigentlich
folgende Frage: Will ich das?
Nicht: Darf ich das, muß ich das, bin ich gut
genug dafür, erlaube ich mir das, sollte ich das, sondern: Will ich das?
Es gibt eine innere Instanz, die
nur darauf wartet, uns zu unterstützen, uns dabei zu helfen, zu unterscheiden,
ob uns etwas dient oder nicht, ob wir also etwas wirklich wollen oder nicht.
Nenne sie deine innere Stimme, deine Intuition, oder dein Bauchgefühl – und
stelle sie dir vielleicht vor wie eine kleine wilde Frau in dir, frei von
Coabhängigkeiten und Schuldgefühlen, die ganz und gar sich selbst und ihrem
eigenen Weg verpflichtet ist. Sie weiß, was sie will, sie steht in
unmittelbarem Kontakt zu deinem inneren Wissen und deiner höheren Stimme, zu
deinem Seelenplan, falls du an so etwas glaubst und zu deinem ureigenen inneren
Auftrag. Sie hat keine Angst davor, andere zu verletzen, was nicht heißt, daß
sie es tun will, sie erlaubt nur nicht, selbst verletzt zu werden. Sie kennt
ihre Grenzen und weiß sie zu setzen, charmant und liebenswürdig oder klar und
deutlich, je nachdem, wie es angemessen und nötig ist. Sie kann fließende
Grenzen ziehen, ja und nein sagen und weil sie das kann, ist ihr Ja genauso
authentisch und ehrlich und verpflichtend wie ihr Nein. Sie ist weder radikal
noch egoistisch, wie du es vielleicht befürchten könntest, sie ist nur nicht
ganz so nett und gefällig, sondern sich selbst verpflichtet. Sie weiß, wie groß
und heilig die Aufgabe ist, den eigenen Weg zu gehen und daß es weder dem Leben
noch der Schöpfung, weder Mutter Natur noch deinem eigenen Seelenfrieden dient,
wenn du es allen recht machen willst. Sie nimmt ihre Verpflichtung dem Leben,
der Liebe und der inneren Wahrheit gegenüber ernst und erlaubt nicht, daß du
dich in Nettigkeiten, Gefälligkeiten und Coabhängigkeiten verzettelst.
Sie ist
die ultimative Hilfe gegen dein Rettersyndrom, deine Art, zu sehr zu lieben und
andere damit zu bevormunden oder zu ersticken, aber auch gegen die Art, mit der
du dich vielleicht selbst vernachlässigst, dein inneres Kind im Regen stehen
lässt und deine eigenen Bedürfnisse noch unter die des verstopften
Abflussrohres in deiner Küche stellst. Sie ist wild, das heißt, sie unterliegt
nicht den gesellschaftlichen und moralischen Normen, die uns wie in einem
Korsett gefangen halten, sondern dient den Gesetzen des Lebens, der Natur und
der Liebe. Sie hat die Freiheit, voll und ganz ihrem Herzen zu folgen und im
Einklang mit sich selbst Entscheidungen zu treffen, was nicht heißt, daß sie
immer den leichten Weg geht. Das tut sie nie, sie geht den Weg des Wachstums und
der Liebe, sie hat die Kraft, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, wenn
sie der Lebendigkeit und der Liebe dienen.
Dieser Weg kann leicht sein, aber
wenn er steinig wird, kneift sie nicht, sondern spürt, ob er letztlich ihrem
Ziel dient oder nicht. „Will ich das?“ heißt nicht immer „Hab ich da gerade
Lust drauf?“, sondern „Entspringt es meiner tiefen Überzeugung und meiner
inneren Wahrheit?“.
Die kleine wilde Frau schlummert
in uns allen, sie kommt vielleicht in sehr unterschiedlichen Formen daher, verbindet
uns aber alle auf der gleichen Ebene, nämlich der Ebene der Selbstbestimmung....